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	<title>Wortpirat</title>
	<link>http://www.wortpirat.de</link>
	<description>Die freibeuterische Online-Kolumne</description>
	<pubDate>Sat, 12 Feb 2011 16:38:20 +0000</pubDate>
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	<language>en</language>
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		<title>Beschäftigter in der Landwirtschaft sucht geschlechtliches Gegenstück</title>
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		<pubDate>Fri, 14 Jan 2011 15:54:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Krischan</dc:creator>
		
	<category>Alles</category>
	<category>Medien</category>
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		<description><![CDATA[Zugegeben, es war meine erste Staffel Bauer sucht Frau. Und ja, ich hätte sie auch nicht geschaut, wenn ich nicht nach den RTL News durch eine temporäre halbseitige Lähmung auf meinem Sofa erstarrt wäre. 
Fassen wir doch mal kurz zusammen. Desillusionierte Frauen ohne Talent zum Einsatz der weiblichen Reize bewerben sich auf meist Erstbeziehungs-Bauern. In [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zugegeben, es war meine erste Staffel Bauer sucht Frau. Und ja, ich hätte sie auch nicht geschaut, wenn ich nicht nach den RTL News durch eine temporäre halbseitige Lähmung auf meinem Sofa erstarrt wäre. <a id="more-268"></a></p>
<p>Fassen wir doch mal kurz zusammen. Desillusionierte Frauen ohne Talent zum Einsatz der weiblichen Reize bewerben sich auf meist Erstbeziehungs-Bauern. In kleinen Kennlernrunden trifft der oft skurril wirkende Bauer mit lustigen Namensergänzungsmitteln wie „Ackerbauer“ Willy oder „Schweinebauer“ Alfred eine Entscheidung 1 aus 2. Es wird „auf dem Hof“ Zeit miteinander verbracht, das Erlebnisspektrum reicht vom krachenden Zerwürfnis bis zum Heiratsantrag . Gerne kombiniert mit einem Rückblick auf bereits verheiratete „Bauer sucht Frau“ Paare.</p>
<p>Offensichtliches lassen wir beiseite: klar hat das etwas mit Voyeurismus zu tun, in anderen Ländern funktioniert das Format mit modelhaften Teilnehmern nach einem anderen Prinzip und dass RTL es hervorragend versteht, die Inhalte in darauf folgende Infotainment-Formate wiederzuverwerten, liegt auf der Hand.</p>
<p>Der Erfolg des Formates entsteht aber durch etwas ganz anderes. Jahrelang hat uns das Fernsehen weisgemacht, dass es die Attraktivität ist, die Liebe erzeugt. Nur Schönling Kai Pflaume kann Paare zusammenbringen, alle GZSZ-Darsteller entstammen einem riesigen FHM Clonelabor, Heidi Klum hat nur Bilder für die schönsten überhaupt, Bohlen winkt lieber eine sexy Volltröte in den Recall als ein bäuerliches wirkendes Operntalent und in der Werbung gilt sowieso „Sex Sells“. Für jeden Heranwachsenden sollte somit klar sein: willst Du in dieser Gesellschaft geliebt werden, dann sieh zu, dass Du so aussiehst wie die Leute im Fernsehn.</p>
<p>Und dann kommt Ackerbauer Willy. Mit Strubbelhaar. Lila Schlafanzug. Unbeholfen. Mit uncoolem Dialekt. In einem Tine-Wittler-bedürftigem Haus. Und er tut alles, um die mollige Rosi zu beeindrucken. Macht ihr sogar einen Heiratsantrag im Stall. Hunderttausend Mädels haben Tränen in den Augen, weil ihnen Rosi ähnlicher ist als Heidi Klum und sie wissen: ihr Kerl wird vielleicht nicht Seal sein, aber vielleicht ein Lila-Schlafanzug-Willy sogar ohne Akne und tief drinnen ist er ein Pfundskerl und wird sie nicht für ein Model verlassen. Denn er ist so wie er ist und muss nicht bei einem Werbespot fassadenähnlich in die Kamera lächeln, denn er ist ein Ackerbauer  und kein Lächelbauer.</p>
<p>Und da ist er der Beweis, dass Liebe nichts mit den 10 Geboten von GQ oder Instyle zu tun hat. Obwohl es in den Medien immer so schien, als sei man schon asozial, wenn man einfach nur normal ist, keine Designerkaminhaken hat und eben nicht im Mailand-Chic in die Businessclass steigt.</p>
<p>Plötzlich entsteht ein ehrlicheres Abbild der Gesellschaft. Die vielen heimlichen Normalos fühlen sich bestätigt und während die oberen schönen Zehntausend nach der vierten Scheidung irgendwann den Drogen vollends erliegen, heiratet irgendwo in Deutschland eine Rosi guten Gewissens einen Willy.
</p>
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		<title>Oh! Yeah! Ah! (Nachruf auf Michael Jackson)</title>
		<link>http://www.wortpirat.de/?p=266</link>
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		<pubDate>Thu, 27 Aug 2009 23:49:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Krischan</dc:creator>
		
	<category>Alles</category>
	<category>Weltgeschehen</category>
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		<description><![CDATA[Michael Jackson. Dieser Mann tat mir unheimlich leid. Je genialer, schräger und bekannter ein Künstler wird, desto mehr ist er in einer unwirklichen Welt gefangen. Michael Jackson war wohl das Extrem und verlor mit jedem weiteren Tag auf Erden den Bezug zur Wirklichkeit. Freundschaft oder Geld, alles war zu einem knetbaren Gut geworden, das entweder [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Michael Jackson. Dieser Mann tat mir unheimlich leid. Je genialer, schräger und bekannter ein Künstler wird, desto mehr ist er in einer unwirklichen Welt gefangen. Michael Jackson war wohl das Extrem und verlor mit jedem weiteren Tag auf Erden den Bezug zur Wirklichkeit. Freundschaft oder Geld, alles war zu einem knetbaren Gut geworden, das entweder unecht oder fast unendlich vefügbar war. Traurig zu sehen, was mit einem Menschen passiert, der in einer Hölle ohne realen Werten lebt. <a id="more-266"></a></p>
<p>Aber Michael Jackson, das ist auch der Mann mit dem Moonwalk. Auch wenn er ihn leider nicht erfunden hat, sondern nur von professionellen Rumbatänzern geklaut hatte, so finde ich diesen Tanz doch geradezu wie gemacht für Michael Jackson. Er geht vorwärts und doch rückwärts. Wie seine körperliche Entwicklung: jede Operation plante er als Fortschritt, war aber wie sich herausstellte dann doch eher ein Rückschritt. Frei nach seinem selbst besungenen Motto: „Don’t stop till you get enough.“</p>
<p>Zum Schluss sah er ja fast so aus wie als Zombie maskiert im eigenen Video zu „Thriller“, nur eben in weiß. An dieser Stelle ein schönes Zitat vom Meister: „It doesn’t matter if you’re black or white. Uhuuu!“ Außer you have the Weißfleckenkrankenheit, then darf man auch schon mal heimlich the nature ins Handwerk pfuschen.</p>
<p>Zugegeben, sein Tod traf auch mich wie ein Schlag. Manches ist einfach nicht zum Enden gedacht. Dass Michael Jackson stirbt, ist als würde jemand die gesamte Chinesische Mauer über Nacht einfach abbauen. Dementsprechend war das Medienecho. Und es hatte diesen einzigartigen Stil, den man sonst nur von 9/11 kannte. Es geht in allen Berichten eigentlich gar nicht um Inhalte und Bilder. Es geht nur um die Illustration einer einzigen Schlagzeile, in diesem Fall „Michael Jackson ist tot“.</p>
<p>Da wird eben mal gerne auch mal stur eine Stunde auf das Stahltor seiner Residenz gefilmt, das allerdings mit nett anzuschauenden Blümchen von den treuen Fans dekoriert war. Ein bewegtes Stillleben, das der Meditation und Verarbeitung dieses einzigen Faktes dient. Zudem sensationelle Liveberichterstattung: &#8220;Oh ein Auto! Wer mag das sein? [Ein Auto fährt vorbei.] Hmm, wohl nur jemand, der die Straße entlanggefahren ist.&#8221; Typisch für das Verhältnis Michael Jacksons mit den Medien, dass er selbst in seinem Hilferuf-Lied „Leave me alone“ besungen hatte: „Leave Me Alone! Stop It! Just Stop Doggin&#8217; Me Around“. Now hat Michael Jackson the Medien alone gelassen, und niemand hat‘s auf Video. What an Ärger.</p>
<p>Zwei Wochen vorher hatten sich die Interviewpartner noch über den armen pädophilen Irren lustig gemacht und jetzt sind sie plötzlich schockiert, dass dieser Ausnahmekünstler gestorben ist, denn er war ja so genial, herzensgut und einfach nur ein toller Mensch. Wenn da mal jemand nicht versucht, das schlechte Gewissen zu überspielen.</p>
<p>Aber so ist das wohl, wenn ein ganz Großer stirbt. Aus dem Nichts erscheinen Weggefährten, die plötzlich viel zu berichten haben, vermeintliche Söhne tauchen auf mit der Begründung, sie wären irgendwann einmal auf der Neverlandranch im Karussell gefahren. Aber wo war Elton John oder Enya mit einem Tribute Song? Jede Katastrophe hat doch ihre Titelmelodie. So musste die ganze Welt anstattdessen die alten Alben kaufen, sodass gleich nochmal 20 mal Platin zum Künstler mit in den Sarg gelegt werden konnte. Das kann doch kein Zufall sein!</p>
<p>Michael Jackson hat gesehen, wie super solche PR funktioniert und hat alle an dem Rest seiner Nase herumgeführt. Denn er ist gar nicht tot, sondern liegt mit Elvis und Falco am Strand von Bora Bora. Geschickt und die genialste Marketingstrategie aller Zeiten. Michael Jackson ist endlich der Paparazzi-Jagd entkommen, verdient prächtig an den Albenverkäufen und kann endlich sein Leben genießen. Einfach mal entspannt die Nase abschrauben und am Stand ein gepflegtes Bierchen trinken; gut eingecremt, damit er nicht wieder braun wird.</p>
<p>Ich schließe diesen persönlichen Nachruf mit einem weiteren Zitat aus dem Lied „Man in the Mirror“. Als moralischer und ethischer Appell an uns alle, sang der Künstler damals: „Hoo! Hoo! Hoo! Aaow! Yeah! Make That Change!“ In diesem Sinne.
</p>
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		<title>Frau Huber und die Wirtschaftskrise</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Jun 2009 19:33:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Krischan</dc:creator>
		
	<category>Alles</category>
	<category>Weltgeschehen</category>
	<category>Konsum</category>
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		<description><![CDATA[2008 war das Jahr, als die fallenden Dominosteine der Weltwirtschaftskrise auch den Verbraucher erreichten. Kollabierende Kredite, vom Geldversorgungssystem isolierte Banken, rapide sinkende Nachfrage. Waren vorher eher Investmentbänker emotional betroffen, greift die Krise jetzt auch auf die einfachen Bürger über, genauer gesagt: auf Frau Huber. 
Wollten wir im letzten Jahr noch für unsere Staatshaushalt sparen, ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>2008 war das Jahr, als die fallenden Dominosteine der Weltwirtschaftskrise auch den Verbraucher erreichten. Kollabierende Kredite, vom Geldversorgungssystem isolierte Banken, rapide sinkende Nachfrage. Waren vorher eher Investmentbänker emotional betroffen, greift die Krise jetzt auch auf die einfachen Bürger über, genauer gesagt: auf Frau Huber. <a id="more-261"></a></p>
<p>Wollten wir im letzten Jahr noch für unsere Staatshaushalt sparen, ist Konsum jetzt sehr wichtig. Wenn wir nichts kaufen, dann können die Firmen nichts mehr verkaufen. Das finden die dann wiederum ziemlich blöd und beschließen, dass Kosten im gleichen Umfang sinken müssen wie die Umsätze. Und da man ja nicht einfach im Kaufhof die Heizung runterdrehen kann, um Geld zu sparen, minimiert man die Kosten, indem man die netten Frau Hubers von der Parfum-Abteilung in einen langen unbezahlten Urlaub schickt. Frau Huber freut sich nun, dass sie keine Einkommenssteuern mehr zahlen muss, bis ihr auffällt, dass sie ja gar nichts mehr verdient und man mit gesparten Steuern die Miete nicht bezahlen kann.</p>
<p>Also kann sie nun beispielsweise eine saftige Mietsenkung mit einer Ein-Frau-Demonstration vor dem Einfamilienhaus des Vermieters starten, was aber wegen Mittelknappheit beim Kauf einer orangefarbenen und nachts leuchtenden Weste sowie Trillerpfeifen und Pappplakaten erschwert wird. Letztlich scheitert es daran, dass sich niemand anderes findet, der die andere Seite des Drei-Meter-Transparents hält, das dem Vermieter mit markigen aber sich vor allen Dingen reimenden Slogans zu der saftigen Mietsenkung bewegen soll. Da aber der Vermieter von Obst und von Saft schon erst recht nicht viel hält, geht er auf die Forderungen nicht ein und ignoriert auch geflissentlich die Sitzblockade von Frau Huber auf dem Fußweg vor seinem Haus. Frau Huber bricht ihre Demonstation ab und ist enttäuscht, dass darüber nicht mal im Fernsehen berichtet wird.</p>
<p>Die Gesamtheit der Frau Hubers in Deutschland verlegt nun ihren Sitzstreik vor den Fernseher, um morgens im Frühstücksfernsehen der ARD zu erfahren, dass eine Weltwirtschaftkrise auch ihr Gutes hat: alles wird billiger. Aber selbst wenn die Milch nun 10 Cent günstiger wird, kann Frau Huber die Milch von 0 Euro Einkommen nicht bezahlen. Die rettende Idee kommt von einem Gast des Frühstücksfernsehens, der vorschlägt, einfach die Geldmenge im Euroraum zu erhöhen. Das, so findet Frau Huber, ist absolut richtig, aber niemand bietet ihr eine Erhöhung der Geldmenge an. Auch die Moderatorin ringt um geistreiche Worte, um ihre fehlende Vorstellungskraft im Thema Erhöhung der Geldmenge clever zu kaschieren. Da sich auch niemand in der Nachbarschaft dazu durchringen kann, die Geldmenge im Euroraum zu erhöhen, denken sich alle Frau Hubers, dass sie einfach nicht mehr soviel einkaufen werden.</p>
<p>Das aber merkt der Kaufhof wiederum in der eigenen Kasse, weil seine Umsätze erneut sinken und er wieder eine neue Frau Huber entlassen müsste. Aber wenn man nur noch eine Fachkraft im fußballfeldgroßen Laden hat, dann würden die Kunden ja denken, sie seien im Media Markt und der Mann aus der Kühlschrankabteilung kann bekanntlich einen Fernseher nicht von einer Kaffeemaschine unterscheiden. Das merken natürlich die wachsamen Kunden und finden diese Geschäfte noch blöder. Deswegen machen die Geschäfte nun Verlust.</p>
<p>Und weil der Staat ja gewinnträchtige Unternehmen mit Steuern bestraft, muss er diese nun belohnen, indem sie keine Steuern mehr zahlen brauchen. Trotzdem ist es sehr ärgerlich, weniger Steuereinnahmen zu haben, denn noch sind viele Beamte in den staatlichen Läden zu bezahlen, damit es nicht leer wie bei Media Markt ist und man sein eigenes Echo nach dem Schrei nach Hilfe vernimmt.</p>
<p>Politiker sind allerdings gewitzte Zeitgenossen und kennen natürlich das Heilmittel für die Misere. Neben der Geldmengenerhöhung, die aber auch die Politiker nicht erklären können, bleibt da das Verteilen von Geschenken, damit die Menschen wieder ein Lächeln auf die Lippen gezaubert bekommen. Da aber nicht alle Menschen gleich sind, ärgern sich die Fahrradfahrer, wenn die Politiker den Autofahrern eine Steuererleichterung schenken. Und die Klempner ärgern sich schwarz, wenn die Politiker nun Straßen bauen lassen. Alles nur, um Menschen wieder mit Arbeit zu versorgen oder zum konsumieren anzuregen.</p>
<p>Ein sehr beliebtes Mittel, um sogenannte Kaufanreize zu setzen, ist das Verteilen von Konsumgutscheinen. Diese kleine bunten Zettelchen berechtigen zum preisreduzierten Kauf von Waren, also wie Gutscheine, die man zu Weihnachten von einfallslosen Verwandten geschenkt bekommt mit dem erklärenden Hinweis, man wüsste ja selbst am besten, was man brauche. Frau Huber könnte sich nun endlich die Reise in die Karibik leisten, die sie sich schon immer gewünscht hatte.</p>
<p>Ärgerlich daran ist, dass ein Großteil des Geldes nun in der Karibik oder bei der ausländischen Fluggesellschaft hängen bleibt, also letztendlich bei Leuten, denen die deutsche Politik gar nicht helfen wollte, obwohl die das natürlich nie vor einer Kamera zugeben, da wir ja alle in einem globalen Dorf leben, indem jeder jeden mag. Aber auch nur, weil es sonst morgen keine Sportschuhe mehr geben würde oder weil dann ein DVD-Player einen Preis von 400 Euro hätte, weil die herstellenden und dann deutschen Menschen nämlich Lust darauf haben, mehr als die 50 Cent pro Stunde zu verdienen, die ihre Nachbarn weiter hinten bekommen.</p>
<p>Und da die Politiker die Nachbarn aus dem Dorf nicht unnötig verärgern wollen, wird diese Idee wieder verworfen. Anstatt dessen bevorzugte man Abwrackprämien, die zwar genau das gleiche Phänomen bewirkten, nur dass Autos sich irgendwie deutscher anfühlen als Karibikreisen oder DVD-Player.</p>
<p>Dafür bekam man 2008 etwas geschenkt, das man sich schon seit Anbeginn des selbsständigen Denkens gewünscht hat: eine Schaltsekunde. Das ist nicht etwa die Zeit, die vergeht, bis Senioren nach Umschalten der Ampel den ersten Gang eingelegt haben, sondern eine extra Sekunde in der Silvesternacht. Denn die Erfinder der Zeit haben sich gedacht, sie könnten uns ehrenhaften Bürgern verschweigen, dass das Jahr gar nicht aus so schönen ganzen glatten Tagen besteht -  wie man sich das ja aus Ordnungsliebe gerne wünschen würde - sondern eine Viertelsekunde länger. Und die schummelt man dann heimlich alle vier Jahre in die Uhren. Den Bürger freuts, denn Zeit ist ja bekanntlich Geld und auch Kleinvieh macht Mist.
</p>
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		<title>Letztens in der Bildzeitung</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Jun 2009 10:41:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Krischan</dc:creator>
		
	<category>Alles</category>
	<category>Medien</category>
	<category>Wortkunst</category>
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		<description><![CDATA[Letztens stand in der Bildzeitung in einem einsätzigen Artikel, dass britische Forscher einen interessanten Zusammenhang zwischen der Möbelwahl fürs Wohnzimmer und der Geschäftstüchtigkeit der Hausherren festgestellt haben, was in Anbetracht der Meldung auf Seite fünf in der Ausgabe von vor drei Wochen doch bemerkenswert ist, weil in Hinterholzenhofen Ute G. (43) ihren Mann Achim G. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Letztens stand in der Bildzeitung in einem einsätzigen Artikel, dass britische Forscher einen interessanten Zusammenhang zwischen der Möbelwahl fürs Wohnzimmer und der Geschäftstüchtigkeit der Hausherren festgestellt haben, <a id="more-263"></a>was in Anbetracht der Meldung auf Seite fünf in der Ausgabe von vor drei Wochen doch bemerkenswert ist, weil in Hinterholzenhofen Ute G. (43) ihren Mann Achim G. (47) mit einer IKEA-Lampe erschlagen und sich danach bei dem schwedischen Möbelhaus darüber beschwert habe, dass die Lampe keine gewöhnlichen Alltagsbelastungen in einem deutschen Durchschnittshaushalt aushalte, worauf die Frau einen Gutschein für die integrierte und beliebte Gastronomiemeile erhalten habe, wo sie aber aufgrund des Getränke-Free-Refill-Konzeptes so viel schwedische Cola getrunken habe, dass ihr schlecht wurde und sie sich bei dem skandinavischen Möbelhersteller wiederum beschwert habe, dass ihr von dem Softdrink schlecht wurde, wofür sie einen Gutschein für eine Lampe bekommen habe, den sie einlöste, aber keinen Mann mehr hatte, den sie erschlagen konnte, weil sie ihren Mann ja bereits erschlagen hatte, und deswegen die IKEA-Lampe intakt blieb und sie deswegen auch keinen weiteren Gutschein geschenkt bekam, was allerdings in Anbetracht der dunklen Ecke hinter ihrem grünen Küchensofa eigentlich recht praktisch gewesen wäre.
</p>
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		<title>Krischans Konzept für den Weltfrieden</title>
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		<pubDate>Fri, 15 May 2009 13:42:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Krischan</dc:creator>
		
	<category>Alles</category>
	<category>Expeditionen</category>
	<category>Sonstiges</category>
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		<description><![CDATA[Leben in anschlagsgefährdeten Ländern bringt für Ausländer meistens das Wohnen in einem Compound mit sich. Dieser ist wie ein Block inmitten einer Stadt, der von hohen Mauern und Stacheldraht umgeben ist; unterbrochen nur durch eine einzige Ein- und Ausfahrt, an der Wachpersonal mit Schusswaffen und Panzerfahrzeugen wie Türsteher vor einer angesagten Disco steht und die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Leben in anschlagsgefährdeten Ländern bringt für Ausländer meistens das Wohnen in einem Compound mit sich. Dieser ist wie ein Block inmitten einer Stadt, der von hohen Mauern und Stacheldraht umgeben ist; unterbrochen nur durch eine einzige Ein- und Ausfahrt, an der Wachpersonal mit Schusswaffen und Panzerfahrzeugen wie Türsteher vor einer angesagten Disco steht und die einfahrenden Autos kontrolliert.<a id="more-262"></a></p>
<p>Bis jetzt gab es allerdings und glücklicherweise keinen einzigen Anschlag. Aber gerade deswegen muss der Job des Sicherheitspersonals ja auch unglaublich langweilig sein. In voller Montur bei 44 Grad im Schatten in einem Panzer zu sitzen und darauf zu warten das endlich jemand angreift, das ist ja noch schlimmer als ein Tierforscher zu sein, der jahrelang durch brasilianische Urwälder streift, um einen mystischen Falter oder ein uriges Völkchen zu finden, das sich Gegenstände des alltäglichen Ureinwohneralltagslebens in die Ohrlöcher fummelt.</p>
<p>Aber nein, keine mystischen Falter und urige Völkchen schon gar nicht. Höchstens ein Ameisenvolk, das den Mittags-Börek durch einen Spalt in der Tupperdose in Krümeln nach und nach über stark bekrabbelte Ameisenstraßen abtransportiert. Bei soviel Monotonie ist es verständlich, wenn das Hirn langsam mit dem Aufhören anfängt. Verzweifeltes Suchen nach geistreichem Gehalt in ödem Material.</p>
<p>„Und hier die Staumeldungen. A4 Höhe Tupperdose 20 cm zähflüssiger Verkehr in beiden Richtungen wegen Gegenständen auf der Fahrbahn.“ Ameise wegschnippen und wieder auf die Compoundeinfahrt schauen. Immer noch kein Angriff und auch nur 30 Sekunden mit Ameisenstauansagen überbrückt.</p>
<p>30 Sekunden, ein Bruchteil der Zwölfstundenschicht des Wachpersonals. Aber ist noch mehr aus dem Thema Ameisen herausholen? Die Ansage mit dem Kaffeebecher vor den Mund zu wiederholen, weil sich die Stimme dann etwas mehr nach Radioübertragung anhört? Die Möglichkeiten sind einfach zu stark begrenzt. Und spätestens, wenn der Offizier durch die Panzerluke hereinschaut und mit skeptischen Blick fragt, warum sein Schütze Staumeldungen in den Kaffeebecher spricht, ist das Thema Ameisenstau auf der A4 fürs Erste erledigt.</p>
<p>Wer kann also Abwechslung bringen, wenn nicht die hineinfahrenden Compoundbewohner? Und an dieser Stelle halte ich es einfach für meinen unausgesprochenen Auftrag der Gesellschaft, diese Monotonie zu durchbrechen. So unterrichte ich täglich das TNT-suchende philippinische Wachpersonal durch das hinuntergefahrene Autofenster in der deutschen Sprache. Mittlerweile verfügt es über einen beträchtlichen Sprachschatz, wie folgender Dialog zeigt:</p>
<p><strong>Wachmann</strong>: Gutten Tak!<br />
[Bei besonders guter Laune auch: Wuuuundeschöne gutten Tak!]<br />
<strong>Krischan</strong>: Guten Tag!<br />
<strong>Wachmann</strong>: Wie getz?<br />
<strong>Krischan</strong>: Danke gut. Und selbst?<br />
<strong>Wachmann</strong>: Alles klaaar.<br />
[Verschwindet mit dem TNT-Detektor hinten am Auto]<br />
<strong>Wachmann</strong>: Alles gutt. Auf Widdesehen!<br />
<strong>Krischan</strong>: Auf Wiedersehen.</p>
<p>Nach einiger Zeit bin ich dazu übergegangen umgangssprachliche Redewendungen einzubauen, gerne auch gewürzt mit regionalen Dialekten.</p>
<p><strong>Wachmann </strong>[professionell]: Gutten Tak!<br />
<strong>Krischan</strong>: Guten Tag. Und? Wie geht&#8217;s?<br />
<strong>Wachmann </strong>[selbstbemitleidend aber lässig]: Muss&#8230;</p>
<p>Dieser Kandidat zeichnet sich durch besonderen Lernwillen aus, den er besserwisserisch zum Besten gab, als ich einmal bei Dämmerung in den Compound gefahren bin.</p>
<p><strong>Krischan</strong>: Guten Tag!<br />
<strong>Wachmann </strong>[empört auf die Dunkelheit hinweisend]: Gutten Tak? Gutte Abend!</p>
<p>Womit er natürlich Recht hatte. Dass der Wachmann meine kurzen Deutschlektionen so ernstnimmt und dann auch noch mitdenkt, hat mich unglaublich gefreut, dass ich mich gleich im nächsten Goetheinstitut für den diesjährigen Verdienstorden angemeldet habe.</p>
<p>Ich finde sogar, der Friedesnobelpreis wäre gerechtfertigt. Wenn das Wachpersonal nicht einigermaßen gut aufgelegt ist und völlig überreagieren würde, wenn wirklich einmal jemand als Bösewicht entlarvt würde, könnte es zu schlimmen Folgen kommen. Fangen die dann auf Kommando an, alles zusammenzuschießen? Man kommt vom Einkaufen und plötzlich beginnt ein weiterer Golfkrieg? Absolut inakzeptabel.</p>
<p>Ich warte demnach auf die Kaffeebecher-vor-dem-Mund-Durchsage im Panzerwagen: „Der Friedensnobelpreis geht dieses Jahr an Krischan, der mit seinem Micro-Deutschschulen-Konzept den Frieden im mittleren Osten über Jahre hinweg nachhaltig sicherte&#8230; Kommen wir nun zu den Staumeldungen&#8230;“
</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Der Onkel mit den Hähnchen</title>
		<link>http://www.wortpirat.de/?p=260</link>
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		<pubDate>Sun, 27 Apr 2008 23:03:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Krischan</dc:creator>
		
	<category>Alles</category>
	<category>Konsum</category>
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		<description><![CDATA[Ich ekele mich wirklich vor wenigen Dingen. Ganz vorne auf der kurzen Liste stehen die farbigen Abbildungen von blasenwerfenden Hautkrankheiten im medizinischen Standardwerk Pschyrembel. Gleich danach kommt schon das Verzehren von halben Hähnchen mit fettig glänzender Haut inklusive dem Abnagen und Ablutschen der Knochen dieses Schlachtfederviehs. 
Umso erstaunlicher, dass ich heute auf die fixe Idee [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich ekele mich wirklich vor wenigen Dingen. Ganz vorne auf der kurzen Liste stehen die farbigen Abbildungen von blasenwerfenden Hautkrankheiten im medizinischen Standardwerk <a title="Was kann ich mir darunter vorstellen?" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pschyrembel" target="_blank">Pschyrembel</a>. Gleich danach kommt schon das Verzehren von halben Hähnchen mit fettig glänzender Haut inklusive dem Abnagen und Ablutschen der Knochen dieses Schlachtfederviehs. <a id="more-260"></a></p>
<p>Umso erstaunlicher, dass ich heute auf die fixe Idee kam, der Fastfoodkette „<a title="KFC" href="http://www.kfc.de/" target="_blank">Kentucky Fried Chicken</a>“ den ersten Besuch meines Lebens abzustatten. Es hatte mich als Mc Donalds Verfechter damals Jahre gekostet, eine erste Burger King Stippvisite zu wagen, aber soviel Mut hatte sich gelohnt. Und so wollte ich es heute wissen und meinen Ekel besiegen. Dass ich noch einen Bonusbon für das große KFC-Familienmenü in einem Gutscheinbuch fand, machte die Mission aus Kostengesichtspunkten zudem attraktiv.</p>
<p>Ich hatte ein wirklich gutes Gefühl bei der Sache. Immerhin erweitere ich meinen Horizont gerne durch das Brechen von gesellschaftlichen Tabus. Ich frage als Mann nach dem Weg, wenn die Frau aus dem Navigationssystem nicht mehr weiter weiß. Vor den Filialen der KIK- Kette schreie ich mit der gleichen nervigen Stimme aus deren schlechten Werbung immer „<a title="Den Slogan mal anhören..." href="http://www.kik-textilien.de/" target="_blank">KIK – der Textildiskont</a>!“.</p>
<p>Wieso kann ich dann nicht auch mal zu KFC fahren? Die psychosomatischen Folgen dieses Knochenablutsch-Fetisch sind doch nun wirklich gesellschaftlich tabuisiert! Für die gibt es ja nicht mal eine Dunkelziffer, und das, wo es doch für fast alles eine Dunkelziffer oder zumindest einen gefühlten Wert gibt!</p>
<p>Mit Bonusheft, Hunger und Mut bewaffnet betrat ich die Filiale in meiner Nähe. Während goldene Ms oder Kronen etwas Neutrales an sich haben, finde ich den perfide grinsenden <a title="Wer ist das eigentlich?" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Harland_D._Sanders" target="_blank">Opa vom KFC-Logo</a> schon irgendwie suspekt. Der würde vielleicht auch beim Mensch-ärgere-Dich-nicht bescheißen.</p>
<p>Vor der Theke die typische Fastfood-Situation. Wenn man weiß, was man will, stehen an jeder Kasse fünf Wartende. Wenn man es nicht weiß, stehen vor einem Gast fünf freundlich grinsende Kassierer. Und dann kommt man immer in diesen Handlungszwang, sich unter diesem Erwartungsdruck für das richtige Produkt zu entscheiden. Gut, ich gebe zu, ich kam mir etwas dämlich vor. Aber man wird ja noch mal fragen dürfen, was KFC überhaupt so anbietet. Es ist ja nicht so, dass da wie bei Mc Donalds andauernd viele kleine bekannte Burger in buntem Papier die Stahltheken herunterrutschen, gerne durch dieses schrille Pfeifen begleitet.</p>
<p>Nein, bei KFC sieht man die Produkte und sie sehen alle gleich aus. Von links nach rechts überall fettig gold-glänzende Hähnchenklumpen, die zum Bespiel &#8220;Hähnchenteile&#8221; heißen. Das finde ich gut, denn die Wortwahl beschreibt ja viel präziser, was man da vor sich hat. Teile. Und weil KFC kundenfreundlich ist, habe ich alle unterschiedlichen Teileformen noch mal auf einem extra Teller vor mir serviert bekommen, was mir inhaltlich allerdings kaum weiterhalf. Hähnchen bleibt Hähnchen, wie auch immer der Klumpen aussieht.</p>
<p>Ich entschied mich dann nach einer eingehenden Diskussionsphase mit dem Filialleiter gegen die KFC Pops, Crispy Stripes, Hot Wings, Zinger Tower, Filet Tower und Crispy Burger und für die Hähnchenteile, weil die sich als einzig deutsch benanntes Produkt ein wenig vertrauenserweckend anhörten. Ich möchte an dieser Stelle noch mal betonen, dass ich keinen „Bucket“ bestellt habe, zudem kommt mir ja sowieso nichts auf den Teller, was nicht „on the bone“ ist. Die zwei 0,5 Liter Getränke durfte ich gegen einen Krautsalat sowie Pommes (die kenne ich!) eintauschen. Alles zum Mitnehmen. Das nenne ich mal flexibel.</p>
<p>Zuhause entfaltete sich dann das geheime Rezept von Colonel Sanders auf meinen lingualen Geschmacksknospen. Diese Mischung aus 11 Kräutern und Gewürzen sorgte auf wunderbare Weise dafür, dass die Hähnchenteile schmeckten wie&#8230; Hähnchen. Und nachdem meine Finger in allen Farben des Regenbogens schillerten, Hänchenfleischfasern an ihnen herabhingen und sich ein Berg von glitschigen Knochen neben meinem Teller auftürmte, da wurde mir schlagartig bewusst: Krautsalat und Pommes sind eine ernstzunehmende Alternative. Ich habe alles gegeben, aber Hähnchenlutschen hat mich einfach nicht überzeugt.
</p>
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		<title>Ein Satz in vier Wänden</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Mar 2008 22:49:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Krischan</dc:creator>
		
	<category>Alles</category>
	<category>Medien</category>
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		<description><![CDATA[Wer kennt sie nicht, die sympathische Mollige von RTL mit der schönsten Show zum Thema Vorher-Nachher-Effekt? Das Prinzip von „Einsatz in vier Wänden“ von Tine Wittler ist ganz einfach: eine Familie schreibt einen Brief an die Moderatorin, dass sie gerne schöner wohnen möchte. Diese rückt dann mit einer Handwerkermannschaft an und verwandelt die Bruchbude in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer kennt sie nicht, die sympathische Mollige von RTL mit der schönsten Show zum Thema Vorher-Nachher-Effekt? Das Prinzip von „Einsatz in vier Wänden“ von Tine Wittler ist ganz einfach: eine Familie schreibt einen Brief an die Moderatorin, dass sie gerne schöner wohnen möchte. Diese rückt dann mit einer Handwerkermannschaft an und verwandelt die Bruchbude in ein traumhaftes Wohnerlebnis. Die Familie darf dann medienwirksam staunen und alle weinen vor Glück und Dankbarkeit.<a id="more-258"></a></p>
<p>Doch RTL wäre nicht RTL, wenn sich nicht durch Extreme die Quote nochmals steigern ließe. Auf die Normalos folgten massenhaft Wohnbehinderte, bei denen man sich als aufmerksamer Zuschauer oft am Hinterkopf kratzend fragte: kam die Einrichtungsnot wirklich überraschend, wenn sich die Pennykassiererin mit arbeitslosem Mann und zwei Kindern vor drei Jahren ein Einfamilienhaus gekauft hat?</p>
<p>Das Konzept von der Sendung schwenkt Richtung Sozial-Voyeurismus und nennt sich dann „Einsatz in vier Wänden Spezial“. Heute wurde eine Jubiläumsfolge gesendet, die es thematisch in sich hatte: eine Familie, die 18 Jahre unter dem <a target="_blank" title="Was ist das Messie-Syndrom?" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Messie-Syndrom">Messie-Syndrom</a> der Mutter litt. Das Haus war mit 28 Tonnen Müll gefüllt und mir fehlte wahrlich jegliche Phantasie, wie der Ehemann nach Auszug der Messiefrau noch zwei Jahre auf dem Sofa in der Wohnzimmermüllkippe geschlafen haben soll. Das hört sich eher nach Sterbehilfe mit Eigeninitiative an. Ist es nicht faszinierend, dass man mit Müll und Moder Rekordquoten erzielen kann?</p>
<p>Mein ganz persönlicher Höhepunkt: Tine Wittler, gern mit blumigen Mustern rund ums prachtvoll voluminöse Dekolleté, kam nicht durch die Haustür, weil sie aufgrund des Mülls nur einen halben Meter breit zu öffnen war. Da lob ich mir unsere Germany’s Next Topmodels; die wären problemlos in Zweierreihen durch diesen Türspalt gegangen – mit <a target="_blank" title="Warum muss der Handetasche lebendig sein?" href="http://www.ksta.de/html/artikel/1176113432494.shtml">lebendiger Handetasche</a> versteht sich.</p>
<p>Nachdem eine Handvoll grobschlächtiger SULO-Männer in ABC-Schutzanzügen das Haus entrümpelt und desinfiziert hatten, war die Sendung fast schon um, obwohl sich das Haus eigentlich erst in dem Stadium befand, in dem die bisherigen Sendungen begannen. Man kam gerade noch dazu, eine Heizung einzubauen und die Wände zu verputzen.</p>
<p>Immerhin konnte Tine ihren obligatorischen 10 Sekunden Auftritt mit dem Motto „auch ich packe mit an“ unterbringen, denn sonst inszeniert sie sich ja nur dabei, wie sie den Profis erklärt, wie diese ihre Arbeit verrichten sollen. Die sind natürlich immer total dankbar für jeden hilfreichen Tipp, immerhin kommt er von der Frau, die uns gut dosiert mit Deko-Faustregeln für die Ewigkeit beglückt: „Immer ungerade Stückzahlen. Zwei oder vier Vasen auf dem Tisch sehen einfach nicht aus.“</p>
<p>Eine Sinnesfreude der besonderen Art sind natürlich auch immer die musikalischen Untermalungen. Da kann man sich wirklich die große Timelife-25-CD-Kollektion sparen, denn zu jedem gezeigten Möbelstück, jeder Kloschüssel oder Delphintapete wird ein passendes Lied aus den letzten 30 Jahren Musikgeschichte eingespielt. Wenn die Hausbesitzerin schwer krank war, hört man dann auch gerne mal das Worldtradecenter-Lied <a target="_blank" title="Wer ist Enya?" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Enya">&#8220;Only time&#8221; von Enya</a>, damit auch der letzte Zuschauer fühlt: Krebs ist wirklich eine böse Sache.</p>
<p>Als verbale Begleitung begeistert eine anonyme Stimme aus dem Off den geneigten Zuschauer mit Texten, die wahrscheinlich aus dem großen Tine Wittler Satzbaukasten stammen. „Der vormals enge und dunkle Flur wirkt durch diese raffinierte Schrankinstallation wohnlich und hell.“ Da muss man einfach nur die jeweiligen Begriffe austauschen, fertig. Frei nach dem Motto „Ein Satz in vier Wänden“.</p>
<p>Und wenn die famose Truppe dann alles umgebaut hat, darf die Familie endlich zurück ins Haus, nachdem sie in der Umbauphase im Campingtrailer von Tine Wittler wohnen musste. Obwohl das für die Familien ja schon einen wohnkulturellen Aufstieg bedeutete. Nach Betreten des Hauses ist Bauklötze-Staunen um die Wette angesagt. Denn dass man mal in einem Haus wohnen würde, dass wie ein IKEA-Trainingslager aussieht, das passiert einem ja nun auch nicht alle Tage. Aber einem geschenkten Gaul schaut man nun einmal nicht ins Maul.</p>
<p>Ich würde gerne mal eine Show machen „Krischans Einsatz in 4 Wändern – ein Jahr danach.“ Die pfiffigen Wandschrankkonstruktionen lassen sich nicht mehr bewegen, der schwarze HiFi-Tisch mit Edelstahlgestänge aus der aktuellen Werbebeilage fand leider auch seinen Platz, die Delphintapete ist runter und die flugs verkleideten Wände schimmeln vor sich hin.</p>
<p>Wie auch immer: ich freue mich auf die Fortsetzung der Messie-Folge. Ob ins Wohnzimmer eine Tapete mit Müllmotiven geklebt wird - als Hommage an die Messie-Mutter? Sehen wir, ob Tine Wittler es ohne Hilfe durch die Haustür schafft? Wir dürfen gespannt sein.
</p>
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		<title>So funktioniert Aufschwung</title>
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		<pubDate>Mon, 07 Jan 2008 10:47:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Krischan</dc:creator>
		
	<category>Alles</category>
	<category>Weltgeschehen</category>
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		<description><![CDATA[Letztens stand im ZDF-Videotext „Lufthansa sucht 7200 Mitarbeiter“. Aber die können doch nicht allesamt über Nacht verschwunden sein! Sind die alle nach China gereist, um schon mal Mandarin zu lernen, weil ja in 10 Jahren die Welt ausschließlich dort produzieren wird? Nein. Die Antwort hat zwar auch irgendwie etwas mit China zu tun, lautet aber: [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Letztens stand im ZDF-Videotext „Lufthansa sucht 7200 Mitarbeiter“. Aber die können doch nicht allesamt über Nacht verschwunden sein! Sind die alle nach China gereist, um schon mal Mandarin zu lernen, weil ja in 10 Jahren die Welt ausschließlich dort produzieren wird? Nein. Die Antwort hat zwar auch irgendwie etwas mit China zu tun, lautet aber: Aufschwung.<a id="more-257"></a></p>
<p>Aber was ist denn Aufschwung überhaupt? Grundsätzlich ist es eigentlich zu allererst eine psychologische Hochstimmung und Vertrauen in die Zukunft. Menschen trauen sich Geld auszugeben, anstatt es für schlechte Zeiten zu sparen. Die Beweise sind offenkundig.</p>
<p>Es fängt damit an, dass ich im Starbucks sitze und anstatt an einem stillen Wasser an deren überteuerten koffeinhaltigen Heißgetränk nippe. Schon zieht eine Horde eislöffelnder Rentner an mir vorbei. Gut gelaunt, Tüten voller Shopping-Erfolgsbeweise. Omas D-Mark-Reserven aus der Kühltruhe sind in einen neuen DVD-Player investiert. Mittendrin schleppt auf einmal ein Hektiker einen 2-Meter-Deckenfluter aus Messing vorbei, als käme die Produktion kaum hinterher. Konsumrausch, wo man hinsieht.</p>
<p>Darüber freuen sich die Unternehmen, denn die Gewinne sprudeln. Aufmerksame Mitbürger fragen sich zu Recht, warum der Praktiker Baumarkt bei solch einer Marktlage Kunden immer noch mit „20% Rabatt auf alles“ anlocken muss und vor allem, warum das ausgerechnet nicht für Tiernahrung gilt.</p>
<p>Wie auch immer. Ein besser laufendes Geschäft verlangt nach mehr Mitarbeitern, diese werden eingestellt. Die Arbeitslosenzahlen sinken und der Staat bekommt Einkommenssteuern anstatt Stütze geben zu müssen. Im Idealfall senkt er nun deswegen die Steuern für alle und wieder hätten die Menschen mehr Geld, um dieses wiederum per Konsum in die Wirtschaft zu pumpen.</p>
<p>Alle fühlen sich einfach besser. Vorbei die Zeit, als Omas rote Wärmflasche als Wellness für Arme herhalten musste. Man lässt es sich gut gehen. In einer Saunalandschaft gibt es jetzt den „Green Lemon“ Aufguss. Auch wenn er zu meiner Enttäuschung nichts direkt mit dem Bier zu tun hatte: wenn es den Deutschen gut geht, dann lassen sie sich auch verwöhnen. Ich gewinne den Eindruck, dass pro zwei Dönerbutzen nun auch mindestens ein <a title="Was ist ein Spa?" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Spa_(Gesundheit)">Thai-Spa</a> eröffnet hat. Es wird massiert und in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt.</p>
<p>Und weil die Unternehmen nun richtig viel Geld verdienen, investieren sie auch gerne in die verheißungsvolle Zukunft. Das Thai-Spa holt sich ein paar neue Bastmatten und renoviert die Innenräume. Darüber freuen sich das deutsche Handwerk und die Bastmatten-Produktionsunternehmen. Selbst wenn die Bastmatten direkt aus Thailand kämen: deutsche Logistik bringt sie von dort bis ins Spa.</p>
<p>Überall entdeckt man Anzeichen, dass auch die ausländische Konkurrenz auf die erwachende deutsche Wirtschaft und ihre Erfolgsrezepte aufmerksam wird. In einer Frankfurter Therme� herrscht nun Fotografier-Verbot. Ich kann das verstehen, irgendwann kopieren die Asiaten auch noch unser Thermalwasser und dann fliegen alle nach Peking, um günstig baden zu gehen. Das ist gefährlich.</p>
<p>Jeder Boom braucht zudem sein Motto. Das jetzige heißt Klimaschutz. Ich warte ja persönlich noch auf den CO<sub>2</sub>-reduzierten Schinken, weil man den Rindern als CO<sub>2</sub>-Produzenten einfach das Atmen und Furzen verbietet. Und das ganze bewirbt dann Günther Jauch und weist noch mal freundlich darauf hin, dass man Faber-Lose im Dunklen ausfüllen soll, um Energie zu sparen.</p>
<p>Grundsätzlich kann man bei einer florierenden Wirtschaft eine Menge toller Sachen machen. Wenn Kunden eh alles kaufen, können Unternehmen auch etwas risikoärmer die Preise hochsetzen. Kuhmelken ist urplötzlich eine anstrengende Sache für die Melkmaschinen, und so muss man eben einmal mit etwas Wehmut im Blick die Preise für Milchprodukte um 20% anheben. Das funktioniert auch super bei Öl, das laut Greenpeace nur noch zwanzig Jahre hält. Dass die seit 30 Jahren jährlich die gleiche Pressemeldung drucken, interessiert dann auch niemanden mehr.</p>
<p>Ganz toll sind übrigens auch die Möglichkeiten der Arbeitnehmer, die nämlich in solchen Situationen mutig werden. Selbst wenn man 8 Stunden lang nur auf einem Sessel sitzt und alle 60 Sekunden einen Knopf drücken muss, kann man ruhig mal 30% mehr Lohn fordern. So geschehen bei den Lokführern. Die Knopfdrückerei heißt übrigens „Totmannschaltung“, mehr muss man dazu wohl nicht mehr sagen. Und trotzdem muss die Bahn nun nachgeben. Falls die Lokführer konsumfreudige Menschen sind: toll für den Konsum. Schlecht natürlich für das Unternehmen, da sind eben mal ein paar weniger neue Schienen für 2008 drin.</p>
<p>Wenn der Laden dann so richtig brummt, dreht die Europäische Zentralbank dann metaphorisch an der Zinsschraube, was nichts anderes heißt als „Kredite für Banken teurer machen“. Und wenn� Joe Ackermann sein� Geld bei der Zentralbank teuer einkaufen muss, verkauft� er es auch wieder teurer an die Unternehmen und Privatkunden. Der Zinssatz für die Kredite steigt und verdirbt den Deutschen etwas mehr die Lust, so wild zu investieren und zu konsumieren und zügelt damit die überzogene Hochstimmung.</p>
<p>Jetzt muss nur noch jemand dafür sorgen, dass die Stimmung nicht mehr ins Negative umschlägt. So einfach kann Wirtschaft sein. Bleibt die Frage nach den verschwundenen Lufthanseaten. Vielleicht sollte man mal schauen, ob in den Loks mittlerweile Höhenruder und Triebwerke eingebaut sind. Bei der Bahn soll man ja gut verdienen können&#8230;
</p>
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		<title>Ich mag den Golf&#8230;</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Nov 2007 16:31:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Steffka</dc:creator>
		
	<category>Alles</category>
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		<description><![CDATA[&#8230;weil er so lustige Elektronik-Gimmicks hat. Vielleicht erinnert sich so mancher Konsum-geneigte Leser an die damalige, großgeschaltete Kampagne vom Automobilhersteller Volkswagen: Immer wechselnde Werbefiguren erklärten, warum sie ihren ganz speziellen Golf ganz besonders mögen und brachten so dem Verbraucher die sogenannte USP dieses Kompaktwagens näher: Lifestyle - aber mit Vernunft! Der eine mochte ihn aufgrund [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8230;weil er so lustige Elektronik-Gimmicks hat. Vielleicht erinnert sich so mancher Konsum-geneigte Leser an die damalige, großgeschaltete Kampagne vom Automobilhersteller Volkswagen: Immer wechselnde Werbefiguren erklärten, warum sie ihren ganz speziellen Golf ganz besonders mögen und brachten so dem Verbraucher die sogenannte <a title="Was ist das?" target="_blank" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Alleinstellungsmerkmal">USP </a>dieses Kompaktwagens näher: Lifestyle - aber mit Vernunft! Der eine mochte ihn aufgrund des großzügigen Stauraums. Wieder eine andere mochte besonders die Farbe Ihres Exemplars.<a id="more-256"></a></p>
<p>Mir klingt es jedes Mal magisch im Ohr&#8230;der Golf. Ich mag meinen Golf IV, Baujahr 1999 – wie schon beschrieben – wegen der nahezu einzigartigen und nicht nachvollziehbaren Details in Funktion und Anwendung der elektronischen Ausstattung.</p>
<p>Es macht einfach mächtig Spaß im Regen vollbepackt an seinen Lieblingsgolf zu kommen, um festzustellen, dass die Zentralverriegelung nicht funktioniert. Nachdem ich mehrfach vergeblich versucht hatte, die Knöpfchen per Fernsteuerung in Bewegung zu setzen, balancierte ich meine Einkäufe auf einem Arm und schloss die Tür manuell auf – ein fast vergessenes Bewegungsschema!</p>
<p>Glücklich, endlich alles in den Golf geworfen zu haben und selbst nur mäßig nass geworden zu sein, schloss ich die Fahrertür und sah mich um. Entgegen aller Beschreibungen im Handbuch hatte ich nur die Fahrertür aufgeschlossen, die anderen blieben verschlossen, was bei einer Zentralverriegelung eher atypisch ist. Am Ziel angekommen schloss ich das Auto ebenfalls manuell ab, schob diese neue Funktion aufs Wetter und dachte nicht weiter darüber nach. <em>Ich mag den Golf, weil ich mir mit der Klimaanlage sogar die Haare föhnen kann.</em></p>
<p>Am nächsten morgen war alles wie gewohnt, alle Türknöpfchen zeigten sich auf Schlüsselknopfdruck, keine neuen Technikhighlights. Die kamen jedoch geballt in der Woche darauf: Zunächst ließen sich die Türen wieder nicht per Fernsteuerung öffnen – und wenn, dann immer nur tageweise unterschiedliche zwei der fünf Türen. Besonders tricky fand ich, dass eines Tages, als alles wie gewohnt zu funktionieren schien, bei der Einfahrt ins Parkhaus die elektronischen Fensterheber Ihren Dienst verweigerten und ich mich schlangenartig um die Tür wickeln musste, um die Parkkarte ziehen zu können. <em>Ich mag den Golf, weil er so komfortabel ist.</em></p>
<p>Einen Höhepunkt erreichte das Eigenleben meines Autos jedoch, als sich beim Zuwerfen der Fahrertür alle Türen selbständig verschlossen. Ich warte seit dem darauf, dass ich eines Tages an mein Fahrzeug komme und alle Fenster sperrangelweit offen sind. Darüber hinaus habe ich seit dem Auftreten dieser „Spezialfunktionen“ auch reihum jeden Monat ein Birnchen meiner Außenbeleuchtung ausgetauscht. <em>Ich mag den Golf, weil er so zuverlässig ist.</em></p>
<p>Danach: Ruhe. Keine Auffälligkeiten bis zu dem Morgen, als beim Abziehen des Schlüssels aus dem Zündschloss auf dem Parkplatz einer großen Supermarktkette die Alarmanlage fröhlich losheulte und die gesamte Anwohnerschaft weckte – dies alles zur Belustigung der Bauarbeiter, die sich über mich „Büropüppchen“ mit dem lärmenden Gefährt halb schlapp lachten<em>. Ich mag den Golf, weil man damit so schön die Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann.</em></p>
<p>Lustig erschien mir auch die Fehlercodeauslese bei der Inspektion. So konnte der Werkstattmitarbeiter zunächst einen Fehler in einem elektronischen Steuergerät feststellen, löschte selbigen dann im Fehlerprotokoll und siehe dar: Beim erneuten Auslesen war der Fehler ganz ohne weitere Reparatur oder Austausch von Geräten behoben. <em>Ich mag den Golf, weil die Werkstattkosten so gering sind.</em></p>
<p>Alles in allem muss ich aber zugeben: Im Gegensatz zum Gölfchen hat mein erstes Auto, ein &#8220;Polo Coupé Fox&#8221; Baujahr 1986, sein einzigartiges Produktversprechen auch gehalten. Beim kleinen pfiffigen Bruder vom Golf funktionierte immer alles so wie im Handbuch beschrieben. Der hatte nämlich nur neun Schalter bzw. Hebel (Blinker, Scheibenwischer, Licht, Nebelschlussleuchte, Heizung, Gebläse, Luftzufuhr, Warnblinker und Heckscheibenheizung) und nicht mal eine Servolenkung! Aber trotzdem: <em>Ich mag den Golf, auch wenn er kein Polo ist.</em>
</p>
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		<title>Karies ist spannend</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Oct 2007 17:18:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Krischan</dc:creator>
		
	<category>Alles</category>
	<category>Expeditionen</category>
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		<description><![CDATA[Ich bin die Ausnahme. Meine Eltern tragen mehr Vermögenswerte in ihren Zähnen als Bargeld in der Tasche mit sich herum, nur ich bin das verschonte Kind. Das findet jeder Zahnarzt langweilig. Mund auf, kurz schauen, ein Foto für die Zahnarztfachzeitschrift, Mund zu, einen guten Rat (KAI: Kaufläche, Außen, Innen; und vor allem immer schön in [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin die Ausnahme. Meine Eltern tragen mehr Vermögenswerte in ihren Zähnen als Bargeld in der Tasche mit sich herum, nur ich bin das verschonte Kind. Das findet jeder Zahnarzt langweilig. Mund auf, kurz schauen, ein Foto für die Zahnarztfachzeitschrift, Mund zu, einen guten Rat (<em>KAI</em>: Kaufläche, Außen, Innen; und vor allem immer schön in kreisenden Bewegungen putzen) und dann kommt der Abspann.<a id="more-251"></a></p>
<p>Rein wirtschaftlich gesehen bin ich für jeden Zahnarzt eine Katastrophe. Meine Großeltern putzten ihre Zähne mit normalen Bürsten und normalen Zahnsalzen. Klar, da kommt eben mal mehr Karies zustande, als wenn man heutige Mittel zur Verfügung hat. Ich rühme mich der Gnade der späten Geburt, was in in einem breit gefächerten Angebot von Zahnpasten mit unterschiedlich vielen Streifen, Farben und Aromen sowie Bürsten mit Flex, Spezialborsten und Ultraschall resultierte.</p>
<p>Trotzallem kam auch für mich der Zeitpunkt der Wahrheit mit einem Zahnarzttermin, der mit Entfernung von Zahnstein begann. Glücklicherweise hatte ich davon sehr wenig, aber wenn ich den Spannungsbogen des Zahnarztbesuches einmal aus Sicht eines Dramaturgen beschreiben müsste: katastrophal. Man kann doch nicht die Hochspannung gleich am Anfang aufbauen.</p>
<p>Zwanzig Kinder, die mit einer Gabel ohrenbetäubend kreischend über einen trockenen Teller kratzen, sind nichts gegen dieses Geräusch, wenn der Zahnsteinentferner den Zahnstein an empfindlicheren Stellen wegflext. Furchtbar. Kann da nicht mal ein Sounddesigner von Porsche akustisch nachhelfen, dass man da nur ein wohliges Teddybär-Brummen vernimmt?</p>
<p>Vor allen Dingen würde ich ja immer gerne den Anweisungen der Zahnarzthelferin Folge leisten und die Zunge entspannen, aber wenn ich das Gefühl habe, meine Nervenstränge glühen und ich müsste gleich zur dunklen Seite der Macht übertreten, dann bin ich froh, wenn ich wegen des gleichzeitigen Schweißausbruches nicht vom Zahnarztstuhl rutsche.</p>
<p>Danach beginnen die angenehmeren Behandlungen. Polieren zum Beispiel. Wie in der Autowäsche kommt da der große Schwamm zum Einsatz, der irgendeine fruchtig aromatisierte Creme in den Zahnschmelz wichst (ein anständiges altes deutsches Verb übrigens). Wie oft zu beobachten, werden Frauen immer so gesprächig, wenn sie Dinge auf Hochglanz bringen. Das ist einfach dieses erhebende Gefühl der sich einstellenden Sauberkeit, da kann ich verstehen, wenn Zahnarzthelferinnen andere damit verbal am Glück teilhaben lassen möchte.</p>
<p>Problematisch gestaltet sich leider immer nur das Antworten, wenn man den Mund voller Polierbürsten und Aromacreme hat. Und immer erst dann fällt mir die Frage ein, die mich seit Jahren umtreibt: was genau ist eine Zahnarztfrau? Ist das nur die Frau eines Zahnarztes? Und wenn ja: warum macht sie Werbung für Sachen, von denen sie wahrscheinlich nichts versteht?</p>
<p>Zähneprüfen ist auch ein schönes Kapitel. Mit dem Luftstrahl noch schnell die hartnäckigsten Crunchy Nut Flakes vom Frühstück wegföhnen und dann� Sprechblasen wie� &#8220;1-8 OB&#8221;, wobei OB thematisch nichts mit Dingen zu tun hat, die dort aufgenommen werden, wo sie passieren.</p>
<p>Ganz wichtig: darauf hinweisen, dass man immer Zahnseide benutzen sollte und abends Elmex Gelee (gibt es nur in der Apotheke und kostet dreimal soviel wie &#8220;herkömmliche Zahnpasta&#8221;, wo auch immer die herkömmlich herkommt). Natürlich ist der Rat richtig und wichtig. Auf Autobahnen sollte man auch rechts und 130 km/h fahren. Aber wie auch bei der Zahnseide gilt: es ist zwar sinnvoll, macht aber einfach keinen Spaß.</p>
<p>Findet sich dann doch ein Loch im Zahn (wir Dentisten nennen das &#8220;kariöse Stellen&#8221;), dann kann man heutzutage gleich Digitalfotos davon schießen. Das finde ich wiederum toll an den Löchern und ich habe deswegen in Zukunft gar keine Angst mehr vor dem Zahnarzt.</p>
<p>Dann gibts eine Plombe, was der Lateiner schnell von Plumbum = Blei ableiten kann. Wenn sich die Römer damals die Zähne mit Blei gefüllt haben, könnte man Verschwörungstheoretikern zufolge den Untergang des Römischen Reichs damit erklären, denn Blei ist nicht so ganz gesundheitsfördernd im Mund.</p>
<p>Heutzutage gibt es natürlich kein Blei im Mund, auch Amalgan hat das Zeitliche gesegnet: heute gibt es zweiflächig analoge Einlagefüllungen, die nach einer intraoralen Infiltrationsanästesie in der aufwändigen Adhäsiv-Bond-Mehrschicht-Technik in den Zahn eingesetzt werden. Ob diese Füllungsart nun zum Untergang der westlichen Welt führt, darüber ist man sich in Fachkreisen noch uneinig.</p>
<p>Und gerade, wo es beginnt, Spaß zu machen, ist auch schon wieder Schluss. Man geht selig lächelnd aus der Praxis. Ob das an der Betäubung den Zahnfleisches liegt, welche Mundbewegungen immer zu einem affigen Grinsen transformiert oder ob es einfach die Erleichterung nach dem Praxisbesuch ist: ich habe selten einen unglücklichen Menschen aus der Zahnarzttür treten sehen.
</p>
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