Der Onkel mit den Hähnchen

Ich ekele mich wirklich vor wenigen Dingen. Ganz vorne auf der kurzen Liste stehen die farbigen Abbildungen von blasenwerfenden Hautkrankheiten im medizinischen Standardwerk Pschyrembel. Gleich danach kommt schon das Verzehren von halben Hähnchen mit fettig glänzender Haut inklusive dem Abnagen und Ablutschen der Knochen dieses Schlachtfederviehs.

Umso erstaunlicher, dass ich heute auf die fixe Idee kam, der Fastfoodkette „Kentucky Fried Chicken“ den ersten Besuch meines Lebens abzustatten. Es hatte mich als Mc Donalds Verfechter damals Jahre gekostet, eine erste Burger King Stippvisite zu wagen, aber soviel Mut hatte sich gelohnt. Und so wollte ich es heute wissen und meinen Ekel besiegen. Dass ich noch einen Bonusbon für das große KFC-Familienmenü in einem Gutscheinbuch fand, machte die Mission aus Kostengesichtspunkten zudem attraktiv.

Ich hatte ein wirklich gutes Gefühl bei der Sache. Immerhin erweitere ich meinen Horizont gerne durch das Brechen von gesellschaftlichen Tabus. Ich frage als Mann nach dem Weg, wenn die Frau aus dem Navigationssystem nicht mehr weiter weiß. Vor den Filialen der KIK- Kette schreie ich mit der gleichen nervigen Stimme aus deren schlechten Werbung immer „KIK – der Textildiskont!“.

Wieso kann ich dann nicht auch mal zu KFC fahren? Die psychosomatischen Folgen dieses Knochenablutsch-Fetisch sind doch nun wirklich gesellschaftlich tabuisiert! Für die gibt es ja nicht mal eine Dunkelziffer, und das, wo es doch für fast alles eine Dunkelziffer oder zumindest einen gefühlten Wert gibt!

Mit Bonusheft, Hunger und Mut bewaffnet betrat ich die Filiale in meiner Nähe. Während goldene Ms oder Kronen etwas Neutrales an sich haben, finde ich den perfide grinsenden Opa vom KFC-Logo schon irgendwie suspekt. Der würde vielleicht auch beim Mensch-ärgere-Dich-nicht bescheißen.

Vor der Theke die typische Fastfood-Situation. Wenn man weiß, was man will, stehen an jeder Kasse fünf Wartende. Wenn man es nicht weiß, stehen vor einem Gast fünf freundlich grinsende Kassierer. Und dann kommt man immer in diesen Handlungszwang, sich unter diesem Erwartungsdruck für das richtige Produkt zu entscheiden. Gut, ich gebe zu, ich kam mir etwas dämlich vor. Aber man wird ja noch mal fragen dürfen, was KFC überhaupt so anbietet. Es ist ja nicht so, dass da wie bei Mc Donalds andauernd viele kleine bekannte Burger in buntem Papier die Stahltheken herunterrutschen, gerne durch dieses schrille Pfeifen begleitet.

Nein, bei KFC sieht man die Produkte und sie sehen alle gleich aus. Von links nach rechts überall fettig gold-glänzende Hähnchenklumpen, die zum Bespiel “Hähnchenteile” heißen. Das finde ich gut, denn die Wortwahl beschreibt ja viel präziser, was man da vor sich hat. Teile. Und weil KFC kundenfreundlich ist, habe ich alle unterschiedlichen Teileformen noch mal auf einem extra Teller vor mir serviert bekommen, was mir inhaltlich allerdings kaum weiterhalf. Hähnchen bleibt Hähnchen, wie auch immer der Klumpen aussieht.

Ich entschied mich dann nach einer eingehenden Diskussionsphase mit dem Filialleiter gegen die KFC Pops, Crispy Stripes, Hot Wings, Zinger Tower, Filet Tower und Crispy Burger und für die Hähnchenteile, weil die sich als einzig deutsch benanntes Produkt ein wenig vertrauenserweckend anhörten. Ich möchte an dieser Stelle noch mal betonen, dass ich keinen „Bucket“ bestellt habe, zudem kommt mir ja sowieso nichts auf den Teller, was nicht „on the bone“ ist. Die zwei 0,5 Liter Getränke durfte ich gegen einen Krautsalat sowie Pommes (die kenne ich!) eintauschen. Alles zum Mitnehmen. Das nenne ich mal flexibel.

Zuhause entfaltete sich dann das geheime Rezept von Colonel Sanders auf meinen lingualen Geschmacksknospen. Diese Mischung aus 11 Kräutern und Gewürzen sorgte auf wunderbare Weise dafür, dass die Hähnchenteile schmeckten wie… Hähnchen. Und nachdem meine Finger in allen Farben des Regenbogens schillerten, Hänchenfleischfasern an ihnen herabhingen und sich ein Berg von glitschigen Knochen neben meinem Teller auftürmte, da wurde mir schlagartig bewusst: Krautsalat und Pommes sind eine ernstzunehmende Alternative. Ich habe alles gegeben, aber Hähnchenlutschen hat mich einfach nicht überzeugt.

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Dieser Artikel wurde von Krischan am Montag dem 28/04/2008 um 0:03 Uhr veröffentlicht und ist folgenden Themengebieten zugeordnet: Alles, Konsum.

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3 Kommentare über “Der Onkel mit den Hähnchen”

  1. Johnny-B meint:

    Ich lach mich weg! Versuch doch nächstes Mal eine der Hähnchenburger-Varianten, dann musst Du keine Knochen lutschen ;-)

  2. Maria Poyato meint:

    hört sich an als wenn du lieber kross gegrillte Grashüpfer zergliedern würdest :-) dein Artikel hat mir trotzdem Appetit auf KFC gemacht - nicht nur wegen dem treublickenden Opa.

  3. Tobi meint:

    Immer rein mit dem Zeug. Nachdem ich eigentlich fast alle Burgerketten ausprobiert habe, ist KFC in der Rangliste ganz unten bei mir angelangt.
    Am besten sind immer noch die traditionellen: Burger King und Wendey´s.

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