Oh! Yeah! Ah! (Nachruf auf Michael Jackson)

Michael Jackson. Dieser Mann tat mir unheimlich leid. Je genialer, schräger und bekannter ein Künstler wird, desto mehr ist er in einer unwirklichen Welt gefangen. Michael Jackson war wohl das Extrem und verlor mit jedem weiteren Tag auf Erden den Bezug zur Wirklichkeit. Freundschaft oder Geld, alles war zu einem knetbaren Gut geworden, das entweder unecht oder fast unendlich vefügbar war. Traurig zu sehen, was mit einem Menschen passiert, der in einer Hölle ohne realen Werten lebt.

Aber Michael Jackson, das ist auch der Mann mit dem Moonwalk. Auch wenn er ihn leider nicht erfunden hat, sondern nur von professionellen Rumbatänzern geklaut hatte, so finde ich diesen Tanz doch geradezu wie gemacht für Michael Jackson. Er geht vorwärts und doch rückwärts. Wie seine körperliche Entwicklung: jede Operation plante er als Fortschritt, war aber wie sich herausstellte dann doch eher ein Rückschritt. Frei nach seinem selbst besungenen Motto: „Don’t stop till you get enough.“

Zum Schluss sah er ja fast so aus wie als Zombie maskiert im eigenen Video zu „Thriller“, nur eben in weiß. An dieser Stelle ein schönes Zitat vom Meister: „It doesn’t matter if you’re black or white. Uhuuu!“ Außer you have the Weißfleckenkrankenheit, then darf man auch schon mal heimlich the nature ins Handwerk pfuschen.

Zugegeben, sein Tod traf auch mich wie ein Schlag. Manches ist einfach nicht zum Enden gedacht. Dass Michael Jackson stirbt, ist als würde jemand die gesamte Chinesische Mauer über Nacht einfach abbauen. Dementsprechend war das Medienecho. Und es hatte diesen einzigartigen Stil, den man sonst nur von 9/11 kannte. Es geht in allen Berichten eigentlich gar nicht um Inhalte und Bilder. Es geht nur um die Illustration einer einzigen Schlagzeile, in diesem Fall „Michael Jackson ist tot“.

Da wird eben mal gerne auch mal stur eine Stunde auf das Stahltor seiner Residenz gefilmt, das allerdings mit nett anzuschauenden Blümchen von den treuen Fans dekoriert war. Ein bewegtes Stillleben, das der Meditation und Verarbeitung dieses einzigen Faktes dient. Zudem sensationelle Liveberichterstattung: “Oh ein Auto! Wer mag das sein? [Ein Auto fährt vorbei.] Hmm, wohl nur jemand, der die Straße entlanggefahren ist.” Typisch für das Verhältnis Michael Jacksons mit den Medien, dass er selbst in seinem Hilferuf-Lied „Leave me alone“ besungen hatte: „Leave Me Alone! Stop It! Just Stop Doggin’ Me Around“. Now hat Michael Jackson the Medien alone gelassen, und niemand hat‘s auf Video. What an Ärger.

Zwei Wochen vorher hatten sich die Interviewpartner noch über den armen pädophilen Irren lustig gemacht und jetzt sind sie plötzlich schockiert, dass dieser Ausnahmekünstler gestorben ist, denn er war ja so genial, herzensgut und einfach nur ein toller Mensch. Wenn da mal jemand nicht versucht, das schlechte Gewissen zu überspielen.

Aber so ist das wohl, wenn ein ganz Großer stirbt. Aus dem Nichts erscheinen Weggefährten, die plötzlich viel zu berichten haben, vermeintliche Söhne tauchen auf mit der Begründung, sie wären irgendwann einmal auf der Neverlandranch im Karussell gefahren. Aber wo war Elton John oder Enya mit einem Tribute Song? Jede Katastrophe hat doch ihre Titelmelodie. So musste die ganze Welt anstattdessen die alten Alben kaufen, sodass gleich nochmal 20 mal Platin zum Künstler mit in den Sarg gelegt werden konnte. Das kann doch kein Zufall sein!

Michael Jackson hat gesehen, wie super solche PR funktioniert und hat alle an dem Rest seiner Nase herumgeführt. Denn er ist gar nicht tot, sondern liegt mit Elvis und Falco am Strand von Bora Bora. Geschickt und die genialste Marketingstrategie aller Zeiten. Michael Jackson ist endlich der Paparazzi-Jagd entkommen, verdient prächtig an den Albenverkäufen und kann endlich sein Leben genießen. Einfach mal entspannt die Nase abschrauben und am Stand ein gepflegtes Bierchen trinken; gut eingecremt, damit er nicht wieder braun wird.

Ich schließe diesen persönlichen Nachruf mit einem weiteren Zitat aus dem Lied „Man in the Mirror“. Als moralischer und ethischer Appell an uns alle, sang der Künstler damals: „Hoo! Hoo! Hoo! Aaow! Yeah! Make That Change!“ In diesem Sinne.

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Dieser Artikel wurde von Krischan am Freitag dem 28/08/2009 um 0:49 Uhr veröffentlicht und ist folgenden Themengebieten zugeordnet: Alles, Weltgeschehen.

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4 Kommentare über “Oh! Yeah! Ah! (Nachruf auf Michael Jackson)”

  1. Krischan meint:

    Anmerkung des Autors:

    Jetzt ist glaube ich die richtige Zeit um meinen persönlichen Nachruf auf Michael Jackson zu schreiben. Dieses früher zu tun wäre ja wie Sand an den Strand zu tragen, man erstickte ja in den Nachrufen. Wäre das alles auf Papier gedruckt gewesen, hätten wieder quadratkilometerweise brasilianischer Urwald daran glauben müssen. Und soviel Krombacher kann man gar nicht dagegen trinken, dass das wieder aufgeforstet wird.

  2. Batgirl meint:

    Stimmt…auf die Idee mit Bora Bora bin ich ja noch gar nicht gekommen…ohne Elton John´s “Candle in the Wind” ist das ganze doch gar nicht rechtskräftig, die tun doch alle nur so! Michael liegt dort in der Hängematte, ich spürs ganz genau. Wann geht der nächste Flieger?

  3. Mo meint:

    Ein schöner Nachruf… Mir geht es wirklich besser, wenn ich an Bora Bora denke, alles andere wäre so sinnlos!

  4. Batgirl meint:

    http://www.youtube.com/watch?v=1N0Ogaskv88